Das Kind nichtverheirateter Eltern
 

Wie eingangs schon darauf hingewiesen, macht es für ein Kind keinen Unterschied, ob Sie als Eltern miteinander verheiratet sind oder nicht. Entscheidend für eine gesunde psychische Entwicklung ist die positive Beziehung zu Mutter und Vater.

Lebten Sie bis zum Zeitpunkt der Trennung in einem Haushalt, geht es für das Kind um die Verläßlichkeit der Beziehung zu den Eltern über deren Trennung hinaus.

Lebten Sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht zusammen, ändert das nichts an Ihrer prinzipiellen Verantwortung und Pflicht gegenüber Ihrem Kind. Für das Kind ist es von eminent wichtiger Bedeutung, Mutter und Vater zu erleben. Nur so kann es sich ein konkretes und nicht ein irreales Bild von seinen Eltern machen. Dieser Umstand erleichtert dem Kind die persönliche Identifikation, da der Umgang mit Mutter und Vater auch die Auseinandersetzung mit eigenen Anlagen und Potentialen beinhaltet.

Jedes Kind hat den urmenschlichen Wunsch, zu Mutter und Vater eine jeweils individuelle Beziehung zu leben. Insofern sollten die bisherigen Ausführungen auf die Situation nichtverheirateter Familien übertragen werden.

Auch der Gesetzgeber geht davon aus, daß zum Wohl des Kindes in aller Regel der Kontakt zu beiden Elternteilen gehört. Deshalb gilt das Recht des Kindes auf Umgang und das Recht und die Pflicht auf Umgang der Eltern mit ihren Kindern unabhängig von der Rechtsstellung der Erwachsenen zueinander (vgl. Kapitel Informationen zur Umgangsregelung).

Dennoch sind Kinder nichtverheirateter Eltern in Bezug auf die elterliche Sorge noch nicht mit Kindern von verheirateten Eltern gleichgestellt.

§ 1626 a BGB besagt, daß Eltern, die nicht verheiratet sind, die gemeinsame elterliche Sorge nur dann zusteht, wenn "sie erklären, daß sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen (Sorgeerklärung)" oder heiraten.

§ 1626 b BGB besagt, daß die Eltern die Sorgeerklärung auch schon vor der Geburt des Kindes abgeben können.

Die Sorgeerklärung muß öffentlich beurkundet werden. Diese öffentliche Beurkundung kann bei einem Notar (der dann die Sorgeerklärung an das zuständige Jugendamt weitergibt) oder direkt beim zuständigen Jugendamt erfolgen .

Wenn die Eltern keine Sorgeerklärung abgeben, er- bzw. behält die Mutter automatisch die alleinige elterliche Sorge.

In dem schon zitierten Artikel 6 Abs. 2 GG wird " die Pflege und Erziehung der Kinder " als das "natürliche Recht der Eltern und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht " beschrieben, während in Artikel 6 Abs. 5 GG festgelegt ist, daß unehelichen Kindern "durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung ... zu schaffen" sind wie den ehelichen Kindern.

Auch wenn den Kindern in Teilbereichen eine eigene Rechtsposition zugebilligt wird, und in vielen Bereichen die Gleichstellung der Kinder verheirateter und nicht verheirateter Eltern erfolgt ist (z.B. Umgangsrecht, Erbrecht), so besteht noch ein wesentlicher rechtliche Unterschied:

Verheiratete Eltern erlangen automatisch die gemeinsame elterliche Sorge bei nichtverheirateten Eltern erhält automatisch die Mutter die alleinige elterliche Sorge; nur wenn beide die gemeinsame Sorge wollen, erhalten sie sie über den Umweg der Sorgeerklärung.

An dieser Stelle vermischt der Gesetzgeber die Paarebene mit der Elternebene: Wenn ein Paar sich entscheidet, zu heiraten, wird dadurch der Mann im juristischen Sinn zum Vater seines Kindes.

Wenn das Paar nicht heiratet, erhält automatisch die Mutter die alleinige Sorge.

Das Kind nichtverheirateter Eltern hat also nur dann das juristische Recht auf Sorge durch den Vater, wenn die Mutter damit einverstanden ist.

Dies ist keine gesetzliche Gleichstellung mit den Kindern verheirateter Eltern.

Als gesetzliche Selbstverständlichkeit muß daher die generelle Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge/Verantwortung für alle Kinder angesehen werden, unabhängig davon welche Rechtsform die Eltern für ihre Beziehung als Erwachsene wählen