Informationen zur Umgangsregelung
 
Es ist für das Kind und seine gesamte Entwicklung wichtig, daß es die Beziehung zu Mutter und Vater aufrechterhalten kann. Achten Sie deshalb darauf, daß Ihr Kind nicht zu einem Elternteil "auf Besuch" kommt, sondern daß es sich bei beiden Eltern zu Hause fühlt. Der Kontakt mit dem anderen Elternteil darf keine Ausnahmesituation, sondern soll den Normalfall darstellen.

Der seit 1. Juli 1998 neu gefaßte § 1684 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) formuliert das Recht des Kindes auf Umgang mit beiden Elternteilen, unabhängig davon, ob sie miteinander verheiratet sind oder nicht. Aus Sicht der Eltern schreibt der Gesetzgeber gleichzeitig das Recht und die Pflicht der Eltern zum Umgang mit ihrem Kind fest. Der Gesetzgeber hat damit die Fragen zur Regelung des Umgangs von der Ausübung der elterliche Sorge eindeutig abgekoppelt.

Selbst in Fällen, in denen das Familiengericht zu der Überzeugung kommt, daß ein Umgang im Interesse des Kindeswohles im Beisein eines Dritten stattfinden soll, hat es die Möglichkeit, einen sog. Begleiteten Umgang anzuordnen.

Ebenfalls neu eingeführt wurde die Erweiterung des Personenkreises, mit dem das Kind Umgang pflegen kann. Voraussetzung hierfür ist, daß das Kind Bindungen zu diesen Personen besitzt und die Aufrechterhaltung des Kontakts für seine Entwicklung förderlich ist. In § 1685 BGB wird festgeschrieben, daß Großeltern und Personen, die mit dem Kind in häuslicher Gemeinschaft lebten, ein Recht auf Umgang mit dem Kind haben, soweit dies dem Kindeswohl dient.

Allerdings ist die Rechtsposition dieses Personenkreises nicht so stark wie die der Eltern, so daß weiterhin der Umgang zwischen Eltern und Kindern eindeutig Priorität haben wird. Es ist im Normalfall davon auszugehen, daß Mutter und Vater jeweils während ihrer Betreuungszeit dafür sorgen, daß die Kinder die für sie wichtigen Kontakte (z.B. zu den Großeltern) pflegen können.

Insofern beziehen sich die weiteren Ausführungen auf die Eltern-Kind-Kontakte, deren Umfang - sollten Sie sich nicht anders einigen können - auf Antrag eines Elternteils vom Familiengericht in allen Einzelheiten geregelt werden kann. Die Einschaltung des Familiengerichts sollte jedoch nur als letzter Schritt angesehen werden. Denn es ist auch möglich und viel sinnvoller, daß Sie als Mutter und Vater selbst eine Vereinbarung treffen, die Sie gemeinsam tragen und hinter der Sie stehen können.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, darauf zu achten, daß die näheren Einzelheiten, soweit möglich, genau festgelegt werden; z.B. sollten regelmäßig bestimmte Tage im Monat oder ein bestimmtes Wochenende jeweils mit Festlegung von Uhrzeit und Ort der Abholung sowie des Zurückbringens des Kindes vereinbart werden. Auch für die sogenannten Doppelfeiertage (Weihnachten, Ostern und Pfingsten) sowie für die Ferien sollten genaue Regelungen getroffen werden. Außerdem empfiehlt es sich, in die Vereinbarung eine Regelung für ausgefallene Kontakttage bzw. Kontaktwochenenden aufzunehmen.

Bei Kindern ab dem Kindergartenalter bis ca. zum 13. Lebensjahr hat sich eine Umgangsregelung in der Form bewährt, daß das Kind jedes zweite Wochenende (Freitagnachmittag bis Montagfrüh) und die Hälfte der Ferien beim außerhalb lebenden Elternteil verbringt sowie abwechselnd die Doppelfeiertage. Ebenfalls positive Erfahrungen liegen auch für ausgewogenere Modelle (wie z.B. Betreuung im wöchentlichen Turnus) vor. Allerdings ist bei einer derartigen Regelung spätestens ab dem Schuleintritt darauf zu achten, daß das Kind problemlos von beiden Wohnorten aus seine Freundschaften pflegen kann. Das bedeutet, daß die Wohnungen der Eltern nicht allzuweit voneinander entfernt sein dürfen; ansonsten bliebe das soziale Umfeld für das Kind nicht erhalten.

Je kleiner die Kinder sind, desto kürzer sollten die Abstände zwischen den Kontakten mit dem außerhalb lebenden Elternteil sein. Im Babyalter erscheinen Regelungen wie z.B. jeden oder jeden 2. Tag für 2 bis 3 Stunden für angebracht, während im Kleinkindalter die Kontakte tageweise, auch unter Einbeziehung von Übernachtungen, aufgebaut werden sollten. Auf diese Weise kann die Betreuungsregelung für das Kind kontinuierlich und harmonisch bis hin zu den oben genannten Modellen modifiziert werden.

Ebenfalls positive Erfahrungen liegen auch schon im Kleinkindalter mit ausgewogenen Modellen, z.B. Betreuung des Kindes durch Mutter und Vater im halbwöchentlichen Turnus, vor.

Wenig hilfreich erscheint eine Vereinbarung, wonach das Umgangsrecht "großzügig gehandhabt" werden soll. Eine konkrete, detaillierte Betreuungsregelung als Basis der Eltern-Kind-Kontakte ist dann besonders wichtig und hilfreich, wenn es zu Spannungen zwischen den Eltern kommt und die Kommunikation nicht mehr funktioniert - sozusagen als Auffangnetz. Sollten die Eltern einmal nicht mehr miteinander reden können, ist es gut, wenn eine feste Vereinbarung vorliegt, die praktiziert werden kann. So wird vermieden, daß der Paarkonflikt die Kind-Eltern-Kontakte stört. Wenn sich die Situation wieder entspannt hat, ist eine flexiblere Handhabung möglich, falls das Bedürfnis danach besteht.

Darüber hinaus werden die Kinder, je älter sie werden, vermehrt ihre eigenen Vorstellungen einbringen, die dann berücksichtigt werden können.



Einige Anregungen:

Je weniger Spannungen zwischen den Eltern bei der Ausübung der Umgangsregelung auftreten, desto eher ist es den Kindern möglich, die Trennung ihrer Eltern zu bewältigen. Im Interesse der Kinder sollten Sie auch nach der Trennung Auseinandersetzungen in ihrer Anwesenheit vermeiden.

Bei den Kontakten sollten die Kinder dem außerhalb lebenden Elternteil unbefangen gegenübertreten können; das Zusammensein sollte den Kindern Freude machen. Dazu gehört auch, daß die Kinder im Gespräch unvoreingenommen auf den Kontakt mit dem anderen Elternteil vorbereitet werden. Geben Sie hierzu den Kindern keine widersprüchlichen Botschaften, auch nicht nonverbal.

Es ist unter Umständen hilfreich für Ihr Kind, wenn es rechtzeitig vorher weiß, welchen Tag/welche Tage es beim anderen Elternteil verbringt. So könnte es z.B. einen eigenen Kalender im Zimmer haben, auf dem diese Tage markiert sind.

Sowohl für die Eltern als auch für die Kinder haben festgelegte Kontakttage als strukturierendes Element Vorteile:

● Das Kind kann sich darauf einstellen und sich darauf freuen.

● Der Nichthauptbetreuende kann sich für das Zusammensein mit dem Kind Zeit nehmen und Pläne machen.

● Der Hauptbetreuende ist an diesem Tag entlastet und hat Zeit für sich.

● Die feststehenden Kontakttage sind gerade in der Zeit der Trennung und Scheidung mit ihrer Unsicherheit nützlich, um das Kind an die Realität der Trennung zu gewöhnen und ihm gleichzeitig die Gewißheit zu verschaffen, daß der andere Elternteil nicht verloren ist.

Beide Eltern können dem Kind zeigen, daß sie den Kontakt unterstützen, indem sie abwechselnd das Kind zum anderen Elternteil bringen bzw. dort abholen.

Die Kinder müssen pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt bereit sein und zur vereinbarten Zeit auch wieder gebracht bzw. abgeholt werden. Falls verabredete Termine abgesagt werden müssen, so ist der andere Elternteil umgehend zu benachrichtigen und den Kindern eine, für sie nachvollziehbare und ehrliche Erklärung zu geben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, daß Kinder in der Regel ihren Freundinnen und Freunden zeigen wollen, daß auch der außerhalb lebende Elternteil in ihrem Leben eine wesentliche Rolle spielt. Das Kind erfährt eine Aufwertung des Selbstwertgefühls, wenn es auch den anderen Elternteil "vorzeigen" und sagen kann: "Das ist meine Mutter/mein Vater". Es hat sich in der Praxis als sehr positiv herausgestellt, wenn der außerhalb lebende Elternteil - soweit es organisatorisch möglich ist - das Kind an den Kontaktwochenenden direkt von der Schule/vom Kindergarten abholt und am Montag wieder dort hinbringt.

Die Gestaltung des Zusammenseins ist ausschließlich Sache des jeweiligen Elternteils, bei dem das Kind gerade lebt. Bei Begegnungen des Kindes mit einem neuen Partner bzw. einer neuen Partnerin sollte auf die Gefühle des Kindes Rücksicht genommen werden: Neue Partner ersetzen niemals Vater oder Mutter.

Der Kontakt zu Freunden und Verwandten beider Eltern soll erhalten bleiben.

Es wäre eine zusätzliche Sicherheit für das Kind, wenn sich die Eltern über Erziehungsgrundsätze einig wären. Aber es ist für Ihr Kind nicht prinzipiell schädlich, wenn es unterschiedliche Standpunkte erlebt, denn auch in einer zusammenlebenden Familie gibt es Meinungsunterschiede. Wichtig ist, daß Sie sich nicht in die Belange des ehemaligen Partners einmischen.

Das Zusammensein des Kindes mit dem außerhalb lebenden Elternteil soll für das Kind erfreulich verlaufen. Dazu gehört, daß Sie sich selbst mit Ihrem Kind beschäftigen und seine Wünsche bei der Gestaltung des Zusammenseins berücksichtigen. Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, sich auf Sie und die andere Umgebung einzustellen. Bei kleineren Kindern hilft ein Ritual, mit dem jedes Zusammensein beginnt: z.B. erst mal zusammen etwas trinken oder eine Geschichte vorlesen oder andere Dinge machen, die Ihrem Kind und Ihnen gefallen und beruhigend sind. Verwöhnen Sie Ihr Kind nicht zu sehr; Sie tun ihm damit nichts Gutes und übersehen, daß Ihr Kind nicht materielle Güter, sondern Ihre persönliche Zuwendung braucht. Diese ist für Ihr Kind wichtiger als Zeitvertreib.

Vielen Kindern fällt Abschiednehmen schwer. Gerade kleine Kinder trennen sich besonders ungern, wenn sie sich wohlfühlen.

Sollte sich das Kind bei der Übergabe nur schwer von einem Elternteil trennen, so muß das nicht heißen, daß es mit dem anderen Elternteil nicht gern zusammen ist oder gegen ihn beeinflußt wurde. Tränen beim Abschied von einem Elternteil bedeuten nicht automatisch, daß das Kind nicht gerne zum anderen Elternteil möchte und gegen ihn beeinflußt wurde. Tränen können Ausdruck des Trennungsschmerzes aber auch eine Reaktion auf das Verhalten bzw. die emotionale Befindlichkeit der Eltern zueinander sein.

Vermeiden Sie es, Aussagen des Kindes, wie z.B. "Bei Dir ist es schöner", überzubewerten. Kinder spüren sehr gut, was ihre Eltern gern von ihnen hören möchten, und sprechen das dann aus. Wenn sie beim anderen Elternteil sind, kann es sein, daß sie das gleiche zu ihm sagen.

Beim Abholen oder Bringen des Kindes ist es evtl. wichtig, daß kurz berichtet wird, wie es dem Kind ergangen ist. Auch jetzt wäre für das kleinere Kind in der Anfangszeit ein Ritual hilfreich, mit dem jedes Zurückkommen begonnen wird (z.B. in die Badewanne gehen, vorlesen o.ä.), weil das für Ihr Kind Geborgenheit bedeutet. Es kann aber auch sein, daß Ihr Kind jetzt ziemlich angespannt oder auch wütend ist. Dann ist es gut, wenn es sich körperlich etwas austoben kann (z.B. Fußballspielen, Radfahren).

Versuchen Sie, ob Sie nun der hauptbetreuende oder der außerhalb lebende Elternteil sind, keinesfalls, die Kinder über den anderen Elternteil auszuhorchen. Die Kinder würden so in unverantwortlicher Weise in Ihren Partnerkonflikt hineingezogen. Das könnte möglicherweise auch eine Abwehrhaltung der Kinder gegen Sie selbst hervorrufen. Für Ihr Kind ist es wichtig, daß es bei den Eltern von seinen Erlebnissen mit dem anderen Elternteil frei erzählen kann, ohne daß ihm gegenüber der andere Elternteil kritisiert wird. Nur dann kann sich Ihr Kind offen und vertrauensvoll äußern und wird nicht zwischen den Eltern hin- und hergerissen. Das bedeutet, daß das Kind Dinge für sich behalten darf, nicht ausgehorcht wird, nicht zu Notlügen greifen und kein schlechtes Gewissen haben muß. So wird die Gefahr, daß Ihr Kind mit Unwohlsein oder anderen Auffälligkeiten reagiert, verringert. Wenn Kinder wenig oder nichts erzählen wollen, könnte dies ein Anzeichen eines Loyalitätskonfliktes, vielleicht aber auch Ausdruck der Sprachlosigkeit zwischen den Eltern sein.

Soweit im Anschluß an die Kontakte bei den Kinder Probleme entstehen, sollten Mutter und Vater versuchen, dies in aller Ruhe zu besprechen und eine Lösung zu suchen. Dies gilt auch dann, wenn sich Anzeichen dafür ergeben, daß die Kinder versuchen, einen Elternteil gegen den anderen auszuspielen.

Oftmals werden die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten, die mit den Kontakten zusammenhängen, beim anderen Elternteil gesucht und deshalb keine Kontakte mehr zugelassen. Nach unseren Erfahrungen hat sich dagegen gezeigt, daß in der Regel die Auffälligkeiten oder Störungen verschwinden, sobald es den Eltern gelingt, eine positive Einstellung zu der veränderten Familiensituation zu entwickeln.

Die Praxis hat bestätigt, daß es meist ratsam ist, die Kontakte zu erweitern und zu verlängern, wenn es Probleme gibt, und nicht, wie so oft, zu reduzieren. Im Gegensatz zu der üblichen Meinung besteht bei minimalen Kontakten die Gefahr der Verunsicherung viel eher als bei häufigen und längeren Kontakten. Zu kurze oder keine Kontakte zum anderen Elternteil führen oft dazu, daß sich das Kind ein irreales (idealisiertes oder unrealistisch negatives) Bild über diesen Elternteil macht. Dieser Umstand behindert die kindliche Entwicklung eher, als daß er sie fördert.

Größere Kinder können die Kontakte selbst verabreden. Leben Geschwister voneinander getrennt bei je einem Elternteil, kommt es der Geschwisterbindung zugute, wenn die Kontakte so vereinbart werden, daß die Kinder möglichst oft zusammentreffen.

Es sei nochmals betont, daß die Kontakte mit Ihrem Kind bzw. Ihren Kindern keine Ausnahmesituation sind, sondern die Normalität darstellen sollten. Ihr Kind soll sich bei Vater und Mutter zu Hause fühlen, in dem Bewußtsein, bei beiden zu leben.

 
 
Probleme bei der Umgangsregelung
 
Was tun, wenn das Kind den Kontakt mit dem außerhalb
lebenden Elternteil nicht will?
 

In vielen Familien stellt folgende Situation eine große Herausforderung oder auch ein scheinbar unlösbares Problem dar: Die Eltern leben getrennt oder sind geschieden, die gemeinsamen Kinder haben bei einem Elternteil ihren Lebensmittelpunkt und sollen in geregelter Weise den Kontakt mit dem außerhalb lebenden Elternteil pflegen, d. h. zu bestimmten Zeiten zu diesem Elternteil gehen und gemeinsame Zeit mit ihm verbringen, schließlich nach dem Kontakt (Besuch, Umgang) wieder zurückwechseln.

Wo liegen nun die Schwierigkeiten für die Beteiligten? Was tun, wenn ein Kind sich verweigert und den außerhalb lebenden Elternteil nicht sehen will?

Wenn die Erwachsenen in einem großen Streit gefangen sind und Mißtrauen zwischen den Beteiligten herrscht, ist naturgemäß auch der Weg, den die Kinder zwischen den verfeindeten Blöcken zu machen haben, sehr belastet. Die Kinder müssen nämlich befürchten, daß sie in die Auseinandersetzung zwischen den Eltern hineingezogen werden, und zwar dergestalt, daß jede ihrer Äußerungen oder jedes Verhalten von der Mutter oder vom Vater interpretiert und benutzt wird als Vorwurf gegen den jeweils anderen. Ein "Nein" seitens der Kinder ist Ausdruck der seelischen Not der Kinder.

Ein Beispiel aus unserer Praxis: Zwei Kinder (Bub, 9 J. und Mädchen, 5 J.)zeigen am Tag und am Abend, bevor sie vom Vater abgeholt werden, vermehrt Widerstand und Abwehr gegen den Wechsel, den sie am nächsten Tag zum Vater hin machen sollen. Die Mutter ist besorgt. Sie vermutet, daß die Kinder dort beim Vater überwiegend schlechte Erfahrungen machen, z. B. daß der Vater rüde und herrschsüchtig sei, daß er die Kinder gegen die Mutter beeinflusse, daß er sie teilweise auch sich selbst überließe und sich nicht ausreichend um sie kümmere. Auch nach dem Zurückkommen seien die Kinder auffällig und schwierig. Ihr persönliches Mißtrauen gegenüber dem Ex-Mann ist sehr groß.

Im Zuge unserer Beratung und Umgangsbegleitung ergab sich ein vollständig anderes Bild: Die Kinder liefen begeistert zum Vater, es entspann sich in kürzester Zeit ein reges Gespräch und ein Austausch von Zärtlichkeiten. Die Kinder hingen offensichtlich sehr an ihrem Vater.Von dieser Realität blieb nach dem Zurückkommen zur Mutter nichts mehr übrig: Die Kinder waren mürrisch und nörgelten, verkrochen sich schnell in ihre Zimmer bzw. vor den Fernseher und waren schlecht ansprechbar.

Es war klar, die Kinder zeigten mit ihrem Verhalten eine Resonanz auf das Mißtrauen und die Ablehnung, die die Mutter selbst zu dem Kontext hatte. Um ihre Verbundenheit mit der Mutter zu betonen, äußerten sie sich negativ über den Vater bzw. über das, was dort abläuft. Aus Angst, sie würden von der Mutter abgelehnt, weil sie beim Vater waren und es ihnen dort womöglich gefallen habe, verhielten sie sich nach dem Zurückkommen zur Mutter so "komisch". Diese beiden Kinder hatten also ihr Verhalten ganz auf die Befindlichkeit der Erwachsenen abgestellt. Die Mutter war völlig der Überzeugung, die Kinder litten unter den Kontakten mit dem Vater, und wollte den Umgang gerichtlich verbieten lassen. Sie hatte keinen Einblick in die andere Erlebniswelt der Kinder, wenn diese beim Vater sich wohlfühlten, und es gab kein klärendes Gespräch zwischen den Eltern.

Diese Kinder befanden sich in ihren gespaltenen Anhänglichkeiten an ihre Eltern in einem gefühlsmäßigen Dilemma, das Karl Valentin einst in unvergeßliche Worte gefaßt hat: "Wollen tät` ich schon mögen, aber dürfen hab' ich mich nicht getraut."

Wollen täten die Kinder den Vater schon mögen, aber bei der Mutter das zum Ausdruck bringen dürfen, das trauen sie sich nicht.

Daher unsere Anregung an Sie: Wenn Sie den Eindruck haben, Ihr Kind sei durch die Anforderungen, die an es gestellt sind, weil es "seinen Weg" zwischen den zerstrittenen Erwachsenen zu machen hat, überfordert oder über die Maßen belastet, nutzen Sie professionelle Beratungs- und Hilfsangebote.

Achten Sie auf Ihre eigenen Regungen und Gefühle. Wenn es Ihnen persönlich sehr schwer fällt, das Kind gehen zu lassen, verstärkt dies zum einen ohnehin vorhandene Trennungsängste beim Kind, zum anderen vermitteln Sie dem Kind eine widersprüchliche Botschaft: Einerseits sagen Sie: "Geh'zu deinem Vater, deiner Mutter.", andererseits vermitteln Sie: "Es ist schlimm für mich, dich dahin gehen zu sehen, weil ich glaube, daß du dort nichts Gutes erlebst, und weil ich dadurch auch wieder eine unerwünschte Begegnung mit diesem Menschen habe."

Wenn das Kind den Kontakt mit dem außerhalb lebenden Elternteil ablehnt, so kann dies neben der gespaltenen Anhänglichkeit an die Mutter bzw. an den Vater und dem damit verbundenen Loyalitätskonflikt noch viele Gründe haben: z.B. das Kind erlebt diesen Elternteil als "verloren" und klammert sich umso stärker an den "verbliebenen" Elternteil; Trennungsängste, vom überwiegend betreuenden Elternteil und der vertrauten Umgebung weg zu müssen; Angst vor Neuem und Ungewohntem; Angst vor neuen Streitigkeiten und Auseinandersetzungen; Angst davor, ausgenützt zu werden; diesem Elternteil werden speziell die Gründe für die Trennung zugeschoben, und das Kind ist unsicher, ob es den "Schuldigen" noch gern haben darf.

Versuchen Sie, diese gemischten Gefühle bei Ihrem Kind anzunehmen und sprechen Sie ihrerseits auch mit dem Kind ein klärendes Wort, wie Sie sich als Mutter und Vater dabei fühlen, und daß Gefühle oftmals im schmerzvollen Widerstreit stehen.

Es ist nicht einfach, die aus der Paarbeziehung herrührenden Verletzungen von der Eltern­verantwortung zu trennen, dennoch ist es wichtig, die Kinder aus diesen ungelösten Paar­konflikten herauszuhalten.

Stärken Sie die eigene Wahrnehmung des Kindes; es soll die Möglichkeit haben, über seine Gefühle und wie es die Dinge sieht und erlebt, zu sprechen.Falls das "Nein" des Kindes daher rührt, weil es dem außerhalb lebenden Elternteil etwas Unangenehmes mitzuteilen hat, beispielsweise was ihm dort nicht gefällt oder was es dort als belastend empfindet, überlassen Sie es dem Kind, dies mit dem Betroffenen selbst zu regeln, und sprechen Sie mit dem Kind nachträglich über das Erlebte. Übernehmen Sie nicht den Part,dies anstelle des Kindes mit dem anderen anzusprechen. Sie geraten in eine unglaubwürdige Vermittlerrolle zwischen ihrem Kind und dem anderen Elternteil

Stärken Sie Ihrem Kind den Rücken, indem Sie wiederholt versichern, daß es Ihre Liebe und Unterstützung nicht verlieren wird und daß es den anderen Elternteil auch liebhaben darf.

Eine Beratungsstelle könnte Sie dabei unterstützen, ein klärendes Gespräch über die Situation des Kindes mit dem ehemaligen Partner zu führen.