Trennung- und die Kinder?
 

Sie befinden sich augenblicklich als Partner und Eltern in einer schwierigen Situation und sehen vielleicht einen Wust von Problemen vor sich, deren Bewältigung Ihnen zu Recht nicht einfach, vielleicht momentan sogar unmöglich erscheint.

Vielleicht hoffen Sie, daß sich die Situation entspannen würde, wenn Sie die alleinige elterliche Sorge hätten und überlegen deshalb, einen entsprechenden Antrag bei Gericht zu stellen. Dieser Schritt würde aber aller Voraussicht nach bedeuten, daß Ihr ehemaliger Partner ebenfalls einen Antrag auf alleinige elterliche Sorge stellen würde. Damit hätten Sie beide als Eltern dem Gericht die Verantwortung übergeben, das dann nach der Maxime "so viel gemeinsame elterliche Sorge wie möglich - so wenig alleinige Sorge wie nötig" eine Entscheidung treffen müßte.Das Gericht hat die Aufgabe herauszufinden, welche Regelungsform der elterlichen Sorge dem Kindeswohl am besten dient und hat hierfür folgende Rangfolge der Beschlußmöglichkeiten:

● Die Beibelassung der gemeinsamen elterlichen Sorge (Zurückweisung der Anträge)

● Teile der elterlichen Sorge (z.B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder die Vermögenssorge) auf einen Elternteil zu übertragen

●Übertragung der alleinigen elterliche Sorge auf einen Elternteil.

Im Zuge des gerichtlichen Verfahrens, in dem Mutter bzw. Vater als Antragsteller/in bzw. Antragsgegner/in bezeichnet werden, ist zu befürchten, daß sich die Eltern gegenseitig abqualifizieren und es schließlich darum geht, wer das Kind gewinnt bzw. verliert.

Was für die Zukunft des Kindes von Bedeutung ist, darüber verhandeln dann Rechtsanwälte und das Kind steht im Zentrum der Auseinandersetzung, es wird zum Streitobjekt

Und aller Wahrscheinlichkeit sprechen die Eltern zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr miteinander, sondern haben ihren ureigensten Konflikt, - in aller Regel den ungelösten Paarkonflikt - auf die Anwälte übergeleitet. Diese Konfliktverlagerung verhindert eine gemeinsame Lösung

Um eine derartige gerichtliche Eskalation zu verhindern, ist die IETE bestrebt, mit Ihnen die Möglichkeit einer "fairen" Trennung zu besprechen und konkrete Hilfen und Handlungsstrategien, sowie eventuell einen einvernehmlichen Elternvertrag zu erarbeiten, der die Bedürfnisse der Eltern und Kinder in fairer Weise berücksichtigt und eine richterliche Entscheidung ersetzen kann.

Die Beibehaltung unabhängiger intensiver Beziehungen zu jedem Elternteil kann das Kind aber auch die Eltern vor schweren psychischen Belastungen und Veränderungen bewahren. Die praktischen Erfahrungen wie auch die Ergebnisse aus der Forschung bestätigen, daß Kinder mit einer engen Beziehung zu Vater und Mutter bessere Chancen haben, nach der Trennung der Eltern gut zurechtzukommen. Die emotionale Verarbeitung des Trennungsgeschehens ist bei Kindern im wesentlichen davon abhängig, auf welche Art und Weise die Eltern während und nach der Trennung miteinander umgehen.

Häufig ziehen Kinder den Schluß, daß auch sie die Liebe ihrer Eltern verlieren könnten, weil sie miterlebt haben, wie die Liebe zwischen Ihnen als Partner "verloren gegangen" ist. Sprechen Sie mit Ihren Kindern altersangemessen darüber, daß Sie sich trennen und daß Sie Ihre Kinder weiterhin lieben. Der kontinuierliche Kontakt zu beiden Elternteilen kann das Kind auch von der Vorstellung entlasten, an der Trennung der Eltern schuld zu sein.

Besteht weiterhin Kontakt zu beiden und wird dieser weiterhin von jedem Elternteil gewünscht und unterstützt, läßt sich ein Loyalitätskonflikt vermeiden. Im Normalfall liebt ein Kind beide Elternteile und will sich nicht für oder gegen einen entscheiden müssen. Oft schlagen sich Kinder auf die Seite des vermeintlich Schwächeren, was sich später - häufig in der Pubertätszeit - umkehrt. Ein wirklich ernstes Problem, mit dem Kinder oftmals konfrontiert werden, ist, daß sie nicht frei sind, den zu lieben, den sie lieben möchten. Sie sollten als Mutter und Vater Ihr Kind von dieser Freiheit überzeugen!

Jedes Kind braucht Vater und Mutter. Jedes Elternteil stellt ein Geschlecht dar, und das Kind hat so Gelegenheit, ein Modell dafür zu haben, was es werden kann. Wußten Sie übrigens, daß Mann und Frau notwendig sind, um die sexuelle Identifikation jedes einzelnen Kindes zu entwickeln?

Es liegt in Ihrer Verantwortlichkeit als Eltern, das Kind aus dem Konflikt herauszuhalten. Sie lassen sich nicht scheiden, weil Sie sich in der Erziehung der Kinder nicht einig sind (vermutlich sind Sie sich auch da nicht einig), aber der eigentliche Grund für eine Trennung ist, daß die Partnerschaft nicht mehr funktioniert.

Trotzdem wird das Kind oftmals von den Eltern zum Mittelpunkt der Auseinandersetzung gemacht, und das ist es, was dem Kind schadet und was beendet werden muß.

Indem Sie sich Gedanken um die Art Ihrer Trennung machen, bemühen Sie sich schon um eine "faire Trennung". Sie suchen als Eltern einen Konsens und dieser ist sehr wichtig, denn nach wie vor wird es - über das Bestehen Ihrer Partnerschaft hinaus - Probleme über die Elternschaft geben, und darüber sollten Sie sich kooperativ auseinandersetzen können.

Dieses Ziel ist Ihnen sicherlich bewußt, nur fragen Sie sich: "Wie kann ich es jemals erreichen?

"Der Weg ist das Ziel", und auf diesem Weg können wir Sie begleiten.

Mit einer außergerichtlichen Vereinbarung, die auch die übrigen Scheidungsfolgen mit einschließen kann, können Sie Ihrer individuellen Situation am besten gerecht werden. Mit Ihrem Zeitaufwand, Ihrer Eigenarbeit und mit unserer Hilfe können Sie versuchen, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden.

Es wird Ihnen mit unserer Hilfe leichter fallen, sich mit Ihrem ehemaligen Partner in elterlichen Belangen auseinanderzusetzen, denn wir können Ihnen von außen zeigen, wo sich die Bereiche Partnerschaft und Elternschaft immer noch vermischen.

In Ihrer Gesamtperson füllen Sie eben nicht nur die Rolle als Vater bzw. Mutter aus, sondern Sie sind Vater, ehemaliger Partner, Berufstätiger, .... bzw. Mutter, ehemalige Partnerin, Berufstätige, ...

Um zu sich selbst zu finden und wieder als Mutter und Vater fungieren zu können, werden Sie lernen, Beziehungsprobleme und Elternsein klar voneinander abzutrennen. Und diese Klarheit brauchen Sie und Ihre Kinder.

Jede Situation erfordert eine individuelle Beratung; dennoch haben sich in der Praxis folgende wichtige Problempunkte herauskristallisiert:

__● Ihre Sichtweise wird nicht immer mit der Ihrer Kinder übereinstimmen. __Die Familiengrenzen verlaufen für Kinder anders als für Erwachsene. __Da die Kinder beide Elternteile lieben, gehört für sie der außerhalb __lebende Elternteil zur Familie. Dies sollten Sie anerkennen, denn __sonst zwingen Sie Ihr Kind in eine "Entweder-Oder-Position" hinein, die __seinen Bedürfnissen nicht entspricht.

__Ihr Kind erlebt es als andauernde Anspannung, wenn alles, was es bei __dem einen Elternteil als gut befindet und erlebt, von dem anderen als __gegen sich gerichtet bewertet wird. Es will sich wirklich nicht auf eine __Seite schlagen müssen und will den einen nicht dadurch verletzen, __daß es ihm beim anderen gefallen hat.

__Natürlich kann es sein, daß das, was Ihr Kind an Ihrem ehemaligen __Partner begeistert, genau das ist, was Sie selbst an diesem total __ablehnen, aber versuchen Sie, Ihre Bewertungen (die von Ihrer __Beziehung her stammen) für sich zu behalten, denn Ihr Kind hat damit __nichts zu tun.

__● Es ist verständlich, daß Ihnen in der derzeitigen Situation negative __Aussagen über den ehemaligen Partner naheliegen. Der __Trennungsgrund bzw. die Trennung an sich war für Sie vielleicht die __Ursache von großem Kummer, und es fällt Ihnen schwer, an die Kinder __keine Botschaften, beispielsweise über die "Schlechtigkeit des __Mannes", zu geben.

__Bedenken Sie, daß derartige Aussagen bei einem Jungen bewirken, __daß es ihm schwerfällt zu glauben, Männlichkeit sei gut, und daß er __ein niedriges Selbstwertgefühl entwickeln könnte. Ein Mädchen __bekommt dadurch ein denkbar negatives Männerbild, aus dem später __Beziehungsprobleme resultieren können. Wird dem Jungen vermittelt, __daß Frauen "böse" sind, beeinflußt dies sein Bild vom anderen __Geschlecht in gleicher Weise. Erfährt das Mädchen eine Abwertung __ihrer Mutter, dann ist es wahrscheinlich, daß es Schwierigkeiten in der __eigenen weiblichen Entwicklung bekommt. Im Erwachsenenalter fühlen __sich oft die Menschen "unvollständig", die in der Kindheit mit der __gegenseitigen Ablehnung und Abwertung von Mutter und Vater leben __mußten, da sie sich dann innerlich dagegen wehren, Mutter und Vater __(weibliches und männliches Urprinzip) in sich selbst anzunehmen.

__● Versuchen Sie ebenso, Ihre Kinder nie als Informanten zu benutzen __und akzeptieren Sie es, wenn Ihr Kind von dem Zusammensein mit __dem anderen Elternteil wenig oder nichts erzählt. Kinder, die als __"Spione" eingesetzt werden, sollen erzählen, was sich bei dem __anderen abspielt. Gleichzeitig werden sie davon abgehalten zu __berichten, was "hier" los ist, und sollen über ihre Verschwiegenheit gar __noch ein Versprechen ablegen. Mit diesem ambivalenten Auftrag wird __Ihr Kind total verwirrt, kann es ihn doch unmöglich erfüllen.

__Wenn Sie dem anderen Elternteil Informationen zukommen lassen __wollen, sprechen Sie direkt mit ihm oder schicken den Brief mit der __Post. Es bringt das Kind in eine belastende Situation, als __Informationsüberbringer, sozusagen als Briefträger, zu fungieren.

__● Wenn Ihr Kind mit seinem Vater bzw. mit seiner Mutter zusammen ist, __sollte dieser Bereich von Ihrem getrennt bleiben. Auch wenn es Ihnen __verständlicherweise schwerfällt, sollten Sie es nicht ausfragen, was __dort abgelaufen ist (und umgekehrt).

__● Zerren Sie nicht an Ihrem Kind, um es dafür zu gewinnen, daß es für __Sie Partei ergreift.

Natürlich gibt es noch unzählige Verhaltensweisen, die die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen und selbstverständlich gibt es mindestens ebenso viele Ratschläge, um diese zu vermeiden. Sinnvoller als eine Auflistung der Ratschläge ist, im Einzelfall zu entscheiden, was primär notwendig ist.

Denn sich trennen ist schmerzlich. Trennung findet nie nur in der Partnerschaft statt, sondern immer auch im Einzelnen selbst. Es ist auch eine Trennung von Hoffnungen, Idealbildern und oftmals von Lebensentwürfen. Dieser innerliche Prozeß bringt selbstverständlich eine Menge Ent-Täuschungen mit sich.

Und trotz aller Schwere besteht in dieser Krisensituation die Möglichkeit, sich selbst zu finden - Ziel einer jeden Trennung.

Und so gesehen, ist jede Trennung ein Neuanfang, eine Chance für eine positive Veränderung.

Oft meint man, das Ziel nicht schnell genug erreichen zu können, und man glaubt, der Selbstwert hinge davon ab, wieviel man sofort ändern kann.

Es braucht aber Zeit, wenn man eine neue Situation erlebt, Zeit, um sich mit dieser vertraut zu machen.